Seit dem 27. April gilt sie in Baden-Württemberg: Die sogenannte Maskenpflicht. Konkret bedeutet das, dass alle Bürgerinnen und Bürger sowohl im öffentlichen Personennahverkehr als auch beim Einkaufen in sämtlichen Geschäften eine Maske tragen müssen. Gemeint sind damit selbstverständlich keine medizinischen Infektionsschutzmasken. Diese sind Mangelware und werden dringend in Kliniken, Arztpraxen oder Alten- und Pflegeheimen benötigt. Vielmehr geht es um „Community-Masken“, also schlichtweg eine einfache Bedeckung von Mund und Nase. Doch was bringt eine solche Maskenpflicht?

Virologen haben die Sinnhaftigkeit des Tragens von „Community-Masken“ vor einigen Wochen noch mehrheitlich abgelehnt, befürworten die Maßnahme jetzt aber inzwischen. Dies verleitet Kritiker der neuen Vorschrift dazu, das Tragen der nicht-medizinischen Masken als uneffektiven Blödsinn und unnötige Einschränkung abzustempeln. Doch diese Meinungsänderung bei den Experten alleine ist kein Argument, um den Nutzen der Maskenpflicht zu verneinen. Es ist viel zu wenig über das Virus und seine Übertragung bekannt, als das irgendjemand auf dieser Welt seriös beurteilen kann, ob das schlichte Bedecken von Mund und Nase wirklich wirksam ist, um die Verbreitung des Coronavirus einzudämmen. Es ist deshalb vollkommen klar, dass sich die Empfehlungen von Virologen mit weiteren Erkenntnissen verändern (können).

Es gibt keinen Masterplan zur Bekämpfung dieser Pandemie. Niemand weiß, welche Maßnahmen die richtigen sind. Erst im Nachhinein zeigt sich, was etwas bringt und was nicht. Und bis dahin gilt: Lieber etwas zu vorsichtig, als zu fahrlässig. Bisher haben wir hierzulande glücklicherweise dramatische Bilder, wie wir sie aus Italien, Frankreich oder Spanien kennen, verhindern können. Dass das so bleibt, muss auch weiterhin oberste Priorität haben. Damit dennoch schwerwiegende Grundrechtseingriffe wie beispielsweise Versammlungsverbote oder Ladenschließungen, die zur Bekämpfung der Pandemie erforderlich geworden waren, gelockert werden können, sind Hygieneschutzmaßnahmen unverzichtbar. Eine dieser Hygieneschutzmaßnahmen, für die sich die Regierung entschieden hat, ist das verpflichtende Bedecken von Mund und Nase im ÖPNV und beim Einkaufen. Ob das wirklich wirksam ist, ist wie gesagt nicht nachgewiesen, aber es ist wahrscheinlich und in Anbetracht der pandemischen Situation zumutbar. Besser mit „Community-Masken“ Bahn fahren oder einkaufen gehen, als mit Ausgangsbeschränkung zu Hause gewissermaßen gefangen zu sein.

Nicht zuletzt der gesellschaftliche Zusammenhalt und die Disziplin aller Menschen in unserem Land haben uns in dieser Krise besonders stark gemacht. Und genau darauf zielt auch die Maskenpflicht ab. Beim Tragen der „Community-Masken“ geht es nämlich nicht um den Selbstschutz, sondern in erster Linie um den Schutz der Mitbürgerinnen und Mitbürgern. Nach aktuellem Kenntnisstand schützen die Alltagsmasken den Träger selbst kaum, durchaus aber die Personen in der nahen Umgebung. Geschützt ist man also nur dann, wenn auch der Gegenüber Mund und Nase bedeckt hat. Maske tragen heißt also mitmenschlich und solidarisch sein – zumindest nach aktuellem Kenntnisstand.

„Braucht es denn dafür gleich eine Pflicht? Sind die Menschen nicht verantwortungsvoll genug, zum Schutz der Mitmenschen selbstständig Masken zu tragen?“, fragen sich Skeptiker. Die Antwort lautet ja, es braucht die Pflicht. Diese klare einheitliche Regelung erspart zum Beispiel Einzelhändlern, die als Vorsichtsmaßnahme und zu ihrem eigenen Schutz und dem Schutz ihrer Mitarbeiter den Zutritt zu ihrem Laden nur mit Masken gestatten, nervige Diskussionen mit uneinsichtigen Kunden. Es ist jedem zuzumuten, seinen Mund und seine Nase für die Zeit des Aufenthalts in einem Ladengeschäft oder einem öffentlichen Verkehrsmittel mit Stoff zu bedecken. Wenn damit Infektionen verhindert werden können, ist das sehr gut. Und wenn nicht, war es den Versuch auf jeden Fall wert.

Davon abgesehen ist die Signalwirkung der Maskenpflicht nicht zu unterschätzen. Mit dem Verhängen einer solchen Pflicht signalisiert die Regierung der Bevölkerung deutlich, dass Corona keineswegs überstanden ist, nur weil der Lockdown aufgehoben wird, und die Krankheit weiterhin ziemlich gefährlich ist. Im Idealfall sensibilisiert die Maßnahme Bürgerinnen und Bürger für die Gefahren des Virus und mahnt weiterhin zu Vorsicht und Rücksicht.

Gleichzeitig birgt die Maskenpflicht jedoch auch große Gefahren. Es besteht durchaus die Gefahr, dass das Tragen einer „Community-Maske“ vielen ein fälschliches Sicherheitsgefühl vermittelt. Noch viel wichtiger und schützender als das Tragen von Masken ist unzweifelhaft Abstand, also die Einhaltung eines Mindestabstands von eineinhalb bis zwei Metern. Dieser einzuhaltende Sicherheitsabstand ist nicht hinfällig, nur weil Masken getragen werden. Er muss unbedingt trotzdem weiterhin überall, wo es irgendwie möglich ist, eingehalten werden. Sofern die Maskenpflicht dazu führt, dass Abstände nicht mehr eingehalten oder andere Hygieneschutzmaßnahmen missachtet werden, weil Träger von Masken sich sicher fühlen, ist sie gefährlich und kontraproduktiv. Es muss deshalb ganz klar gesagt werden: Die Maskenpflicht ist eine Ergänzung, sie ersetzt aber keinesfalls die geltenden Abstandsregeln!

Darüber hinaus darf nicht vergessen werden, dass es auch alles andere als gesund ist, Mund und Nase über längere Zeit konsequent zu bedecken, denn durch die Maske bekommt man unzweifelhaft schlechter Luft und weniger Sauerstoff. Das ist kurzfristig sicherlich nicht so schlimm wie eine Viruserkrankung, langfristig aber durchaus folgenreich.

Alles in allem lässt sich festhalten, dass die Maskenpflicht in Anbetracht unseres aktuellen Wissens rund um das Coronavirus durchaus zweckmäßig und angemessen ist. Aus Vorsicht und Rücksicht auf andere Menschen sollten wir uns alle daran halten und Mund und Nase mit „Community-Masken“ bedecken – auch wenn es Zweifel an der Effektivität der Alltagsmasken gibt. Es muss aber gleichzeitig jedem klar sein, dass die Masken nur eine zusätzliche Schutzmaßnahme sind und den unbedingt weiterhin einzuhaltenden Sicherheitsabstand nicht ersetzen, sondern nur ergänzen. Außerdem ist zu beachten, dass „Community-Masken“ immer dann zu tragen sind, wenn Begegnungen mit anderen Menschen nicht zu vermeiden sind, wie das nun mal beim Einkaufen oder Bahnfahren der Fall ist. Aber eben auch nur dann und nicht, wenn man alleine spazieren geht oder in seinem Büro ohne Kontakt zu anderen arbeitet.

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